Verschwindet der Spaß am Spiel, kehren Jugendliche dem organisierten Sport den Rücken

Kaum etwas ist Eltern wichtiger als dass deren Kinder ein langes und gesundes Leben haben. Aus diesem Grund ermutigen viele ihre Kinder an organisiertem Sport teilzunehmen.

Schließlich ist körperliche Aktivität ein wichtiger Faktor wenn es darum geht, einen gesunden und widerstandsfähigen Körper aufzubauen, der den harten Realitäten des Lebens gewachsen ist und das Risiko für schwerwiegende chronische Erkrankungen im erwachsenen Alter minimalisiert. Somit ist es – für die meisten jedenfalls – kein Problem, die notwendige Motivation zu finden, Kinder zum Training zu fahren, früh für einen Schwimmwettbewerb aufzustehen oder an Wochenenden an Fußballspielen teilzunehmen.
 

Sport im Kindesalter = Spiel und Spaß 

Wenn Kinder im jungen Alter mit einem Sport beginnen, treffen sie auf ideale Voraussetzungen: Der gewählte Sport wird spielerisch nahegebracht und notwendige Fähigkeiten werden vermittelt.Happy teenagers holding plank outdoor on the track Im Allgemeinen ist der organisierte Sport von jungen Kindern frei von Konkurrenzdenken. Der Spaß steht im Vordergrund und die meisten vernünftigen Trainer machen ihr Bestes, um alle Mannschaftsmitglieder als gleichwertig darzustellen und dabei allen Lob auszusprechen und bei Spielen dafür zu sorgen, dass alle gleich viel oder zumindest eine faire Menge an Spielzeit bekommen. Genau darum lieben es die meisten Kinder, zum Training zu gehen. Dies ist auch der Grund dafür, dass organisierte körperliche Aktivität bei Kindern einen derart großen Stellenwert bei der körperlichen Fitness einnimmt. 

Die Pubertät bringt Veränderungen mit sich 

Kinder werden zwangsläufig älter, sie kommen in die Pubertät und nahezu alles ändert sich. Der kindliche Körper wächst, wird länger, stärker und in vielen Bereichen auch interessanter. Gleichzeitig lässt bei vielen Jugendlichen das körperliche Aktivitätsniveau nach [1, 2] und viele kehren dem organisierten Sport den Rücken[3]. Obwohl dieser Trend sowohl bei Jungen als auch Mädchen gleichwohl anzutreffen ist, scheint diese Tatsache vor allem für Mädchen problematisch zu sein, da diese generell weniger körperlich aktiv sind. Der weitere Rückgang des Aktivitätsniveaus im Laufe der Jahre als Teenager führt darum mit sich, dass unverhältnismäßig viele Mädchen und junge Frauen unzureichend körperlich aktiv sind. 

Warum kehren Jugendlichen dem Sport den Rücken? 

Die meisten Heranwachsenden haben ein großes Spektrum an Interessen und Vorlieben und finden damit ausreichend viele und gute Argumente, um zu begründen, dass sie entweder an organisiertem Sport nicht teilnehmen wollen oder nicht die Zeit dafür finden. An erster Stelle stehen bei vielen Jugendlichen zahlreiche neue Gefühle und Interessen,African American boy texting on a mobile phone. die sowohl Quelle für Aufregung und Anregung als auch der Frustration sein können und sogleich von der Teilnahme an organisierter körperlicher Aktivität ablenken. Gleichwohl sind es auch die einschneidenden Änderungen in der Art in der Mannschaftssportarten im jugendlichen Alter organisiert sind, die dazu beitragen können, dass Jugendliche sich distanzieren. Tatsächlich ist es so, dass beim Training von Jugendlichen eine Schwerpunktverlagerung stattfindet. Spiel und Spaß müssen im Allgemeinen weichen zum Vorteil einer mehr und mehr ernsteren Auffassung. Letztendlich zielen die meisten sportlichen Aktivitäten für Jugendliche auf Leistung ab. Siege und Talentförderung, mit dem Ziel Eliteathleten zu formen, treten in den Vordergrund. Während dies ein Motivationsfaktor für ambitionierte Sportler sein kann, die die Fähigkeit und/oder die Motivation für eine professionelle Karriere im Sport besitzen, muss im Auge behalten werden, dass die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen weder willig noch fähig sind, dauerhaft höhere sportliche Leistungen zu erbringen. Die überwiegende Mehrheit der Teenager besitzt tatsächlich nicht den Grad von Fitness, Fähigkeit oder Motivation, die diejenigen besitzen, die Elitesportler werden. Aus diesem Grund besteht in dieser Lebensphase die Gefahr, dass die Jugendlichen dem Sport – auch wenn sie diesen im Prinzip sehr mögen – den Rücken wenden. Dies ist bedauerlich, sowohl für die Heranwachsenden als auch für die Sportvereine. Die Jugendlichen verlieren dabei eine wichtige Arena zum Pflegen von Kontakten, für körperliche Aktivität und zur persönlichen Entwicklung. Den Sportvereinen auf der anderen Seite entgeht eine große Gruppe von Menschen, die eine wichtige Ressource darstellen, sei es wirtschaftlich gesehen (bezahlende Mitglieder, Attraktivität für Sponsoren), als Trainer für jüngere Sportler oder in Bezug auf das Besetzen von wichtigen Ämtern im Verein.  

Spaß und Kompetenz sind wichtig 

Um besser verstehen zu können, warum dies passiert, kann es von Nutzen sein, sich mit wissenschaftlichen Studien vertraut zu machen, die die Zusammenhänge in Bezug auf Kinder und Jugendliche und deren Motivation für körperliche Aktivität in Augenschein nehmen. Es überrascht nicht, dass Spaß zu haben und das Gefühl, tüchtig zu sein, einige der Motivationsfaktoren für die Teilnahme an körperlichen Aktivitäten sind, die oftmals aufgezeigt werden [3].  Dies ist positiv, da damit nahegelegt wird, dass falls organisierter Sport auf eine Art aufgefasst werden würde, die mit Spaß und dem Erwerb von Fähigkeiten verknüpft ist, dies dazu führen würde, dass weniger dem organisierten Sport den Rücken kehren würden.  

Motivation kontra Emotionen  

Leider ist es so, dass Training im jugendlichen Alter im starken Kontrast zum spielerischen und interessanten Training im Kindesalter steht. Bei Teenagern ist Sport von einer begrenzten Anzahl vom Plätzen in der Mannschaft, Konkurrenz um (begrenzte) Spielzeit und Strafe bei Versagen (Verweis auf die Ersatzbank) geprägt. Dies macht es problematisch, Jugendliche dafür zu tadeln, dass sie organisierten Sport aufgeben, wenn dieser ausschließlich von einem ständigen Kampf und negativen sozialen Gegenüberstellungen geprägt ist. Besonders schwer ist es, derartige Situationen in einer Phase des Lebens zu ertragen, in der viele genug damit zu tun haben, mit ihrem sich in Veränderung befindlichen Körper in Einklang zu kommen, sich an ihre Sexualität zu gewöhnen und die komplizierten und unlogischen sozialen Codes der Teenagerdaseins zu erlernen.  

Members Of Female High School Soccer TeamWas können die Sportvereine machen? 

Sportvereine haben ein offensichtliches Interesse, Talente zu fördern und im Wettkampf mit anderen erfolgreich zu sein. Neben dieser Rolle, sind Sportvereine aber auch ein wichtiger Beitragsspender in Bezug auf die öffentliche Gesundheit durch die Zurverfügungstellung von Möglichkeiten zur körperlichen Ertüchtigung und zum positiven gesellschaftlichen Zusammenspiel. Ich bin der Auffassung, dass die meisten Vereine ihren Aufgaben bei jungen Kindern sehr gut nachkommen. Dies ist allerdings nicht immer der Fall bei Teenagern. Anstrengungen zu unternehmen, eine Arena zu schaffen, in der weniger fitte und weniger talentierte Spaß am Sport haben können und ihre Fähigkeiten ausbauen können, wäre bestimmt für alle Beteiligten ein Gewinn. Es gibt gute Chancen dafür, dass dies eine Vielzahl von positiven Folgen haben würde. Mehr Jugendliche würden sich körperlich betätigen und dem Sport nachgehen, der ihnen Freude bereitet. Die Sportvereine ihrerseits würden weitere bezahlende Mitglieder haben und zudem einen positiven Beitrag zur Gesundheit der nächsten Generation leisten.  

 

Quellenangabe 

1.Kjønniksen L, Torsheim T, Wold B: Tracking of leisure-time physical activity during adolescence and young adulthood: a 10-year longitudinal studyInternational Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity 2008, 5(1):69. 

2.Biddle SJ, Gorely T, Stensel DJ: Health-enhancing physical activity and sedentary behaviour in children and adolescentsJournal of sports sciences 2004, 22(8):679-701. 

3.Crane J, Temple V: systematic review of dropout from organized sport among children and youthEuropean physical education review 2015, 21(1):114-131.