Lyme-Borreliose – eine von Zecken übertragene Infektionskrankheit

Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) ist die bekannteste Art der Schildzecken. Er ist übrigens nicht als Insekt, sondern als Spinnentier klassifiziert. Ursprünglich war diese Zecke nicht in Nord-Europa verbreitet, aber auf Grund immer milder werdenden Winter, hat sich ihr Lebensraum in Richtung Norden ausgedehnt. Die Zecke lebt davon, Blut von Haus- und Wildtieren sowie von Menschen zu saugen und sie ist als Überbringer und Verbreiter von unterschiedlichen Krankheiten berüchtigt, von denen die Lyme-Borreliose die bekannteste ist. Der Erreger der Krankheit ist die Bakterie Borrelia burgdorferi, von denen Zecken befallen sein können. Diese Art der Übertragung ist die häufigste der in Europa vorkommenden so genannten Vektorinfektionskrankheiten. Das damit verbundene Krankheitsbild ist von mehreren Stadien gekennzeichnet.

 

Die meisten, die entweder selbst von einer Zecke gebissen worden sind oder eine Zecke am Wirt gesehen haben, haben so gut wie immer ein erwachsenes Zeckenweibchen mit dem charakteristischen, kleinen schwarzen Kopf und einem blaugrauen, mit Blut gefüllten Körper, angetroffen. Wird die Zecke beim Blutsaugen nicht gestört, wird sie sich nach einer Zeit vom Wirt abfallen lassen, um sich so im Boden zur Eiablage zu vergraben. Nach dem Schlüpfen sind die Zeckenlarven ungefähr einen Millimeter groß und begeben sich auf die Suche nach einem Wirt, um für ein paar Tage Blut zu saugen, bevor sie sich wieder auf den Boden abfallen lassen. Im Verlauf der kommenden Monate bildet sich die Larve in eine Nymphe um, die sich erneut auf die Suche nach einem Wirt macht. Nachdem die Nymphe Blut gesaugt hat, startet die Entwicklung zur erwachsenen Zecke.  Sowohl Larven als auch Nymphen können von Menschen Blut saugen. In diesen Stadien sind die Zecken oftmals nicht leicht zu entdecken, teils auf Grund ihrer geringen Größe und teils deswegen, weil sie leicht abfallen, falls man sich z.B. an Stellen, die jucken, kratzt. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass angenommen wird, das Zeckennymphen – also nicht erwachsene Zecken – für den größten Anteil von Ansteckungen mit Lyme-Borreliose verantwortlich sind.

 

Die Borrelia-burgdorferi-Bakterie kann ausschließlich von Zecken sowohl auf Menschen als auch auf Tiere übertragen werden. Vom Übertragungszeitpunkt und bis zum Auftreten der ersten Krankheitssymptome kann bis zu ein Monat vergehen. Die Borrelia-burgdorferi-Bakterie wurde erst relativ spät, im Jahre 1982, entdeckt. Die Symptome der Krankheit Lyme-Borreliose als solches wurden dagegen schon Mitte der 1970er beschrieben. Auslöser dafür waren eine Reihe von Kindern, die in der Stadt Lyme im US-Bundesstaat Connecticut akut an Arthritis erkrankt waren. Rheumatoide Arthritis als Folge einer Gelenkinfektion ist eines der frühen Symptome der Krankheit.

 

Die Lyme-Borreliose kann in drei Stadien eingeteilt werden: frühes lokalisiertes Stadium, frühes disseminiertes Stadium und Spätstadium.

 

Das frühe lokalisierte Stadium ist durch einen charakteristischen Hautausschlag gekennzeichnet. Diese Lokalinfektion der Haut, der als roter Ring um die Einstichstelle der Zecke zum Ausdruck kommt, wird als Erythema migrans, zu Deutsch Wanderröte, bezeichnet. Nicht alle infizierte Personen bekommen diesen bestimmten Ausschlag. Manche können Ausschläge an mehreren anderen Stellen des Körpers erhalten. Weitere auftretende Symptome in diesem Stadium der Krankheit sind Fieber, geschwächter Allgemeinzustand und Kopfschmerzen. Ohne Behandlung geht die Krankheit in die nächste Phase, dem frühen disseminierten Stadium, über. In diesem Stadium können an mehreren Organen infektionsbedingte Veränderungen auftreten. Am häufigsten sind hierbei das Nervensystem und das Herz betroffen, allerdings gibt es große Variationen. Dauern die Beschwerden/Symptome über ein Jahr an, befindet man sich im Spätstadium. In diesem Stadium überwiegen mit dem Nervensystem verbundene Symptome wie Müdigkeit, Depression, Lähmungen, aber auch Gelenkschmerzen/Arthritis.

Vor allem dem Spätstadium wird in den letzten Jahren vermehrt Aufmerksamkeit gewidmet und es ist nunmehr Gegenstand vieler Forschungen.

 

In den meisten Fällen wird die Diagnose mit Hilfe einer Blutprobe erstellt. Manchmal wird aber auch eine Probe aus dem Rückenmarke oder aus einem der entzündeten Gelenke benötigt. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika. Allerdings sind sowohl die Art als auch die Dauer Gegenstand von Diskussionen. Da der Gemeine Holzbock auch andere Arten von Bakterien übertragen kann, werden im Allgemeinen Antibiotika mit einem breiten Wirkspektrum (z.B. Doxycyclin oder Amoxicillin) empfohlen. In jedem Fall muss eine Behandlung nach sicherer Diagnose unter ärztlicher Aufsicht eingeleitet und überwacht werden.