Let’s twist again…

Verletzungen des Sprunggelenks können uns nahezu überall ereilen: beim Sport (klassisch bei der Landung auf dem Fuss eines Mitspielers nach einem Sprung), beim Laufen auf unebener Fläche, beim Treppenherablaufen und auf hohen Absätzen.

Die meisten von uns haben bereits ihre eigenen Erfahrungen mit einer solchen Verletzung gemacht und wissen, wie es sich anfühlt, wenn man sich das Sprunggelenk „verknackst“ hat und dieses wehtut, anschwillt und die Haut „blau“ wird. Direkt nach dem Unfall entlasten, kühlen und komprimieren wir das Sprunggelenk und lagern den entsprechenden Fuss hoch. In der Mehrzahl der Fälle ist das Problem mit Schmerzmitteln und ein paar Tagen humpeln erledigt. Aber was, wenn der Schmerz zu groß ist, die Knöchel dick angeschwollen und blau sind und wir nicht im Traum daran denken können, den Fuss zu bewegen oder auch nur ein wenig zu belasten ?

Worker with sprained ankle on floor in warehouse

Das Sprunggeklenk wird aus drei Knochen gebildet. Von kniewärts bilden das Schienbein (Innenknöchel) und das Wadenbein (Aussenknöchel) den Rahmen , in dem sich das Sprungbein bewegen kann. Hauptsächlich erfolgt das Senken und Heben des Fusses mit einer geringen Drehkomponente. Eine Gelenkkapsel und mehrere Bänder stabilisieren die knöcherne Führung des Gelenkes zusätzlich an allen Seiten.

Beim Umkincken im Sprunggelenk kann man sich somit zahlreiche Strukturen in verschiedensten Ausprägungsgraden verletzen. Das fängt bei der Zerrung von Kapsel und Bändern an, führt über teilweise und komplette Risse dieser Strukturen bis zum Knochenbruch. Besonders gravierend sind Knöchelbrüche, bei denen das Sprungbein aus der verletzten Sprunggelenksgabel heraustritt. Solche Verrenkungsbrüche (Luxationsfrakturen) müssen vermutet werden, wenn die Achse des Fusses deutlich vom Normalen abweicht und ein extremer Schmerz vorhanden ist. Es bedarf der umgehenden Wiedereinrichtung der normalen Stellung (Reposition) durch medizinisches Fachpersonal (und unter einer angemessenen Schmerztherapie) und einer Ruhigstellung, um das Risiko von Folgeschäden zu minimieren. Glücklicherweise sind diese Verletzungen nicht häufig und ihre Entstehung bedarf in der Regel mehr Energie als nur ein banales Umknicken. Eine andere Sonderform von Brüchen sind jene, bei denen die Haut so verletzt ist, daß der Knochen mit der Aussenwelt in Kontakt ist („offene“ Fraktur). Diese kann es auch am Sprunggelenk geben und das Risiko einer Entzündung ist höher.

Sprained ankle blue x-ray

Grundsätzlich kann man im Sprunggelenk nach innen oder aussen umknicken (in beiden Fällen auch mit einer Verdrehung). Beim häufigeren Umknicken nach innen (die Fusssohle deutet nach innen), welches auch als Supinationstrauma bezeichnet wird, kann es zunächst zur Zerrung oder zum Riß eines oder mehrerer der drei Bänder an der Knöchelaussenseite (dem sogenannten Aussenbandapparat) kommen. Je nach Verletzung (aber auch Blutungsneigung) kommt es zu verschieden stark ausgeprägten Schwellungen und Blutergüsssen an der Knöchelaussenseite. Die Bewegung und Belastung des Sprunggelenks ist schmerzbedingt eingeschränkt. Es kann aber auch zu Schmerzen im Bereich des Innenknöchels kommen, wenn nämlich das Sprungbein beim Umknicken von innen gegen den Innenknöchel gestossen ist. Eine Knochenbruch sollte vermutet werden, wenn ein Druckschmerz direkt über den Knochen der Sprunggelenksgabel besteht.

Es ist aber insbesondere für den Laien sehr schwierig, zwischen Zerrung, Bänderriss und Knochenbruch zu unterscheiden.

Young woman suffering from an ankle injury while exercising and

Einfache Zerrungen schwellen in der Regel nicht stark an und es zeigen sich auch keine Blutergüsse. Nach initialer Kühlung und ggf. einem stabilsierendem Verband sowei etwas Schmerzmittel sollte sich der Zustand nach zwei Tagen deutlich gebessert haben, so dass der Fuss auch wieder voll belastet werden kann.

Sollte dieses nicht der Fall sein, sollte man einen Arzt aufsuchen. Dieser wird neben der klinischen Untersuchung ggf. einen Ultraschall und bei Verdacht auf einen Knochenbruch ein Röntgenbild durchführen.

Bänderrisse werden heutzutage meist konservativ (ohne Operation) behandelt. Es kann dennoch notwendig sein, für sechs Wochen (Tag und Nacht !) eine stabilsierende Schiene am oberen Sprunggelenk zu tragen (hier gibt es Unmengen auf dem Markt). Ausserdem sind in der ersten Woche oftmals Gehstützen notwendig, um ein schmerzangepasstes Belasten zu erlauben.

Ein frischer Knochenbruch am Sprungegelenk wird bis zur Abschwellung zunächst in einem aufgespaltenen Unterschenkel- Weissgips immobilisert. Frakturen am Sprunggelenk, bei denen es zu einer Fehlstellung in der Knöchelgabel kommt, sollten operativ behandelt werden, um das Risiko eines vorzeitigen Gelenkverschleißes (posttraumtische Arthrose) möglichst gering zu halten.

Sprained ankle black x-ray

Bei Verrenkungsbrüchen kann es notwendig werden, daß zwei Operationen durchgeführt werden müssen. Sollte nämlich der wiedereingerichtete Bruch nicht im Gips stabil sein, so kann der Arzt anraten, zunächst operativ eine äusseres Fixationsgestell vom Unterschenkel auf den Fuss anzulegen, um nach erfolgter Abschwellung die endgültige Operation durchzuführen. Diese erfolgt meistens durch eine sognannte offen Reposition und interne Fixation. Zur Stabilisierung des Knochens werden Platten und Schrauben eingebracht. Prinzipiell können diese für immer dort bleiben, die Erfahrung lehrt aber, dass sich diese insbesondere am Aussenknöchel oftmals mit dem Schuhwerk stören und nach der knöchernen Heilung entfernt werden. Auch bei jungen, sportlich aktiven Menschen kann man die Entfernung erwägen, da es sonst bei einer erneuten Verletzung zu einer Verschlimmerung der Situation kommen kann.

Nach der zweiten Operation muss man noch für weitere 4-6 Wochen an Gehstützen teilbelasten und eine Unterschenkelruhigstellung tragen (diese sind heute meist sehr bequem und erinnern vom Aussehen an Skischuhe). Danach muss durch Physiotherapie eine Stabiliserung des Gelenkes erfolgen.

Zuletzt möchten wir noch eine Verletzung erwähnen, die manchmal übersehen wird. Insbesondere beim Umknicken des Fusses nach innen kann eine Bandverbindung , die an der Vorderseite zwischen Schien- und Wadenbein oberhalb des Sprungeglenkes verläuft, verletzt werden. Dieses kann zu einer Erweiterung und Instabilität der Sprunggelenksgabel führen, ganz ohne Knochenbruch. Der Schmerz ist knapp oberhalb und etwas nach innen vom Aussenknöchel provozierbar. Es gibt spezielle klinische Tests, den Ultraschall und das Röntgenbild zur weiteren Diagnosesicherung, aber am Sichersten ist die MRT Diagnsotik in diesem Fall. Sollte die Sprunggelenkgabel instabil sein, so würde man eine Operation empfehlen bei der ein oder zwei Schrauben über kleine Schnitte eingebracht werden, um die Gabel des Sprunggelenks für 6 Wochen zu stabilsieren und die Bandheilung zu erlauben.

Doctor and patient