Ein unauffälliges Röntgenbild heißt noch nicht zwingend, dass keine Verletzung vorliegt

Leider bedeutet das Älterwerden nicht nur weiser, sondern auch schwächer, schlechter sehend und unsicherer auf den Beinen zu werden. Das führt zu einer erhöhten Sturzrate bei älteren Menschen, meistens aus dem Gehen oder Stehen heraus.

elderly woman falling in bathroom ( focus at hand)

Diese sogenannten “Niedrigrasanztraumata” können dem Knochen Jüngerer kaum etwas anhaben. Beim älteren Menschen hingegen kann diese relativ geringe Krafteinwirkung schon zu einem Knochenbruch oder einem Bluterguss im Knochen (“bone bruise“) führen. Ein Risikofaktor ist sicherlich die im Alter herabgesetzte Knochenstärke (Osteoporose), ein weitverbreitetes und behandelbares Leiden, welches dennoch oftmals erst entdeckt wird, wenn bereits eine Verletzung erfolgt ist. Aber es ist noch nicht einmal eine Verletzung notwendig. Insbesondere in der Wirbelsäule aber auch im hinteren Beckenbereich können sogenannte „Insuffizienz-“ oder „Gebrechlichkeits“- Knochenbrüche auch allein auf dem Boden der Osteoporose auftreten.

Das Risiko, einen solchen Bruch im Leben zu erleiden, wird bei Männern auf 30 % und bei Frauen auf 50 % geschätzt. Glücklicherweise können die meisten dieser Brüche auf Röntgenaufnahmen erkannt werden, aber das ist nicht immer so….

Radiologist checking an x-ray image on a view light box, unrecognizable person, medical assistance and healthcare concept

Bei der Untersuchung eines Patienten nach einem Unfall oder aber auch nur mit Schmerzen allein (ohne Unfall) ist es von entscheidender Bedeutung, die Krankengeschichte des Patienten zu erheben und eine gründliche körperliche Untersuchung durchzuführen (Schmerzlokalisation, Schmerzprovokation). Beim älteren Menschen kann sich dieses sehr schwer gestalten und bei einem unauffälligen Röntgenbild kann die Schlussfolgerung sein, dass keine akute knöcherne Verletzung vorliegt. Experten gehen davon aus, dass bis zu 1/3 der knöchernen Verletzungen an der Wirbelsäule übersehen werden. Ohne die dann fehlende aber notwendige Rehabilitation können ältere Menschen dann lange leiden, auf die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln angewiesen sein und/ oder nur eingeschränkt mobil sein (beides birgt gesundheitliche Risiken in sich).

Elderly patient waiting on her walker

Was also tun, um ein solches Szenario zu vermeiden? Das Röntgen ist eine überall vorhandene Technik und in der Mehrheit der Fälle auch ausreichend. Deshalb ist es die erste aber nicht sensitivste Methode, die zur Anwendung kommt, um Knochenbrüche zu entdecken.

Einige Frakturlinien sind auf dem Röntgenbild kaum oder nicht zu erkennen, da sie nur feinste „Risse“ darstellen, ohne dass es zu einem Versatz im Knochen kommt (sog. „Fissuren“) oder aber Alterungsprozesse den Knochen schon derart stark verändert haben, dass es für den Arzt nicht möglich ist, eine frische Verletzung auf diesem Boden sicher auf dem Röntgenbild zu erkennen bzw. auszuschließen.

Folglich sollte man bei einem Zweifel an der Verlässlichkeit des Ergebnisses der Röntgenaufnahme sofort eine weiterführende Diagnostik durchführen oder aber sicherstellen, dass der Patient diese zeitnah erhält. Weiterführende Diagnostik bedeutet in diesem Rahmen die Durchführung einer Computertomografie (CT) und/ oder einer Magnet- Resonanz- Tomografie (MRT). Mit der Technik der Computertomografie lassen sich auch kleinste Risse erkennen, aber für den Patienten bedeutet es eine höhere Strahlenbelastung als das Röntgenbild. Wenn zum Beispiel auf einem Röntgenbild der Hüfte oder des Beckens bei passenden Beschwerden oder mangelnder Auskunftsfähigkeit des Patienten nicht sicher auszuschließen ist, ob dort ein Riss durch den Schenkelhals zieht, dann sollte man umgehend eine CT durchführen.

Die Magnet- Resonanz- Tomografie ist nicht vorzüglich bei der genauen Beschreibung einer Frakturlinie, kann aber durch die Darstellung des begleitenden Blutergusses im Knochen („bone brusie“) den Hinweis auf die Verletzung des Knochens geben. Die Technik ist besonders auch bei der Differenzierung zwischen einer neuen oder alten Verletzung an den Wirbelkörpern hilfreich. Neben einigen Einschränkungen, wer in das MRT kann (Herzschrittmacher, Platzangst), gibt es keine gefährliche Strahlung zu befürchten.

cheerful male doctor examining feet x-ray
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass man -sollte es nach dem Röntgen bei einer gewissen Unsicherheit bezüglich des Vorhandenseins einer Knochenverletzung bleiben- nach weiteren diagnostischen Möglichkeiten mit anderen bildgebenden Verfahren (CT/ MRT/ Dual Energy CT) fragen sollte.

Man sollte bei sich und seinen Angehörigen keine längeren Zeiten der Einschränkung der Mobilität akzeptieren, wenn nicht alle sinnvollen, bildgebenden diagnostischen Möglichkeiten ausgeschöpft worden sind.

Außerdem sollte sichergestellt sein, dass wir, um uns vor durch Osteoporose bedingten Frakturen zu bewahren, die notwendige Diagnostik und -wenn indiziert- eine entsprechende Therapie erhalten, bevor ein vielleicht vermeidbarer Schaden eintritt. Aber das ist ein anderes Thema….